Als Gründer und erster Kanzler des deutschen Kaiserreichs hat der große Politiker seit 1874 immer wieder Kissingen aufgesucht und dann dorthin das Machtzentrum des Deutschen Reiches verlagert. Politische Festlegungen von größter Tragweite sind hier vorgenommen worden: etwa das „Kissinger Diktat" von 1877 über die Maxime der deutschen Außenpolitik oder Bismarcks Entschließung vom Sommer 1880, mit der Arbeiterversicherung der staatlichen Sozialpolitik ganz neue Wege zu weisen. Auch nach Bismarcks Entlassung 1890 war es Kissingen, wo Bismarck durch aufsehenerregende Reden und die Entgegennahme zahlloser Huldigungen zum populärsten Mann in Deutschland wurde.
Kissingen war also - neben der Reichshauptstadt Berlin - mehr als jede andere deutsche Stadt mit dem Leben und Wirken des Reichsgründers verknüpft.
Bismarck in Bad Kissingen
Bei seinem ersten Kuraufenthalt wurde am 13. Juli 1874 auf Bismarck geschossen. Der fanatisierte Böttchergeselle Eduard Kullmann aus Magdeburg hatte dem Kanzler aufgelauert, um mit Bismarck den Urheber der Kampfgesetze gegen die katholische Kirche zu treffen. Doch Bismarck blieb nahezu unverletzt. Durch das Attentat (Haus Diruf; heute: Hotel „Kissinger Hof") kam Kissingen zum ersten Mal in die Schlagzeilen der Weltpresse.
EDUARD KULLMANN, Kullmann, Eduard Franz Ludwig
* 14.07.1853 Neustadt bei Magdeburg (Provinz Sachsen)
† 16.03.1892 Amberg (Bayern)
Böttcher
Bismarcks letzter Aufenthalt in Bad Kissingen 1893 nahm in Folge einer lebensgefährlichen Erkrankung einen besonders dramatischen Verlauf. Die Augen von ganz Deutschland blickten damals auf sein Krankenlager in der Oberen Saline, das er erst nach drei Wochen wieder zu einer Spazierfahrt verlassen konnte.
Blick vom Innenhof der Oberen Saline auf die Bismarck-Wohnung. Hier logierte der berühmte Kurgast mit seiner Familie zwischen 1876 und 1893 insgesamt über 60 Wochen mit großem Behagen. Die historische Bismarck-Wohnung kann noch heute im originalen Ambiente besichtigt werden.

Nach 1890 wurde Bad Kissingen zur Wallfahrtsstätte der Nation. Scharen von Delegationen reisten an, um dem „Kanzler ohne Amt" ihre Huldigungen darzubringen.
In dem 1841 errichteten Salinenbad nahm Bismarck seine Solebäder.
Zahllose Karikaturen und Gedichte haben Bismarcks Leben und Wirken in Bad Kissingen ihren Tribut gezollt. Hier eine Anspielung auf Bismarcks informelle Gespräche mit einem päpstlichen Nuntius über die Beilegung des sog. Kulturkampfes.
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