Jüdische Kulturtage 2010
Der Vortragsreigen wird am 29. Januar von einem der führenden Theaterwissenschaftler Israels, Prof. Gad Kaynar (Kissinger) eröffnet.
Nach dem großen Zuspruch der vergangenen Jahre veranstalten die Stadt Bad Kissingen unter der Federführung des Kulturreferates und der Landkreis Bad Kissingen in Kooperation mit verschiedenen örtlichen Institutionen im Jahre 2010 zum vierten Mal die Jüdischen Kulturtage. Mit beteiligt an dieser Veranstaltungsreihe sind die Bayerische Staatsbad GmbH, die Herz-Jesu-Pfarrei, die Erlöserkirche, das Kurhotel Eden-Park und die Volkshochschule Bad Kissingen. Über das gesamte Jahr verteilt soll eine Vielzahl von hochkarätigen Konzerten, Vorträgen und Ausstellungen Wissenswertes und Interessantes über jüdische Kultur, Religion und Geschichte vermitteln.

Der Vortragsreigen wird am 29. Januar von einem der führenden Theaterwissenschaftler Israels, Prof. Gad Kaynar (Kissinger) eröffnet, dessen Familie zu den angesehensten in Bad Kissingen gehörten. Er wird über Israels Theaterlandschaften referieren.

Unter dem Motto „Wenn ich einmal reich wär’…“ steht am 28. Februar eine Begegnung mit einer außergewöhnlichen Stimme und einer großartigen Sängerpersönlichkeit, dem ukrainisch-deutsch-jüdischen Bassisten Igor Dubovsky auf dem Programm. Er präsentiert Arien und Songs aus Opern und Musicals, Lieder der Romantik sowie russische und jüdische Volkslieder.

Im März und April gibt es interessante Vorträge von Prof. Ulrich Konrad über Mozarts Librettisten Lorenzo da Ponte (18. März), von Peter Longerich aus München über Leben und Karriere des Massenmörders Heinrich Himmler (15. April) und von Hans-Jürgen Beck, der sich am 22. April mit weiteren Biografien jüdischer Familien aus Bad Kissingen beschäftigen wird.

Das Ensemble des Theaters Meiningen vermittelt am 16. April in seinem von Dr. Klaus Rak, dem Meininger Operndirektor, moderierten Konzertabend einen repräsentativen Überblick über das Opern- und Liedschaffen sowie die Kammermusik Erich Wolfgang Korngolds, der schon in jungen Jahren als musikalisches Wunderkind galt. Nach seinem kometenhaften Aufstieg, der von den Nazis abrupt beendet wurde und seinem Weggang nach Amerika begann er dort eine zweite Karriere als Komponist von Filmmusik. Mit diesem Konzertabend beteiligt sich die Stadt Hammelburg mit der Bayerischen Musikakademie an den Jüdischen Kulturtagen 2010.

Und auch das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau leistet am 23. April einen Beitrag zu dieser Veranstaltungsreihe mit seinem Frühlingskonzert „Musik der Nationen“, mit Musik von Paul Ben-Haim, Jean Francaix, Edvard Grieg, Antonin Dvorak u. a.. Solistin ist die junge israelische Klarinettistin Shirley Brill, die Leitung hat Oksana Lyniv.

Das jüdische Hotel Eden-Park mit seinem Maschgiach Izchak Nadel, wird in einer Füh-rung über den jüdischen Friedhof in der Bergmannstraße die Geschichte so manchen Steines zum Sprechen bringen und jüdische Begräbnis- und Bestattungsriten erläutern (4. Mai).

Am 6. Mai geht der bekannte Düsseldorfer Historiker Falk Wiesemann in seinem Vortrag „Populäre Judenbilder“ im 19./20. Jahrhundert zwischen Antisemitismus und Kitsch der Geschichte und Wirkung dieser antijüdischen Bilderwelten nach, während Karsten Hinrichs vom Felix-Nussbaum-Museum in Osnabrück sich mit Felix Nussbaum, dem Maler des jüdischen Schicksals beschäftigt, dessen einzigartiges Werk seit den 70er Jahren zunehmend wiederentdeckt wird (20. Mai).

Der israelische Geiger Ya'akov Rubinstein engagiert sich in besonderer Weise für Jüdische Musik und die Pflege historischer Aufführungspraxis. Im Mittelpunkt seiner Violinsoirée am 15. Mai im Weißen Saal stehen Werke jüdischer Komponisten wie Ernest Bloch, Felix Mendelssohn-Bartholdy u.a.. Begleitet wird er am Klavier von Ohad Benari.

Operettenarien und Schlager nach Texten jüdischer Librettisten stehen im Mittelpunkt des abwechslungsreichen Programms, das die Sopranistin Radka Loudova-Remmler und ihre Klavierbegleiterin Vera Müllerova unter dem Motto „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ für den 27. Mai zusammengestellt haben.

Einer der Höhepunkte der JKT wird sicher am 28. Juli das Konzert von Giora Feidman und dem Gershwin Streich-Quartett, die in der Erlöserkirche Klezmer and Strings darbieten. Das variantenreiche Programm verbindet unter-schiedliche Länder, Traditionen und Kulturen und reicht vom temperamentvollen südamerikanischen Tango über die Melancholie und Lebensfreude der osteuropäischen Klezmer-Musik bis zu Anleihen aus Klassik, Jazz und Filmmusik.

Nach der Sommerpause eröffnet das Hotel Eden-Park die Reihe der Veranstaltungen am 5. September wieder mit einer erneuten Führung über den Jüdischen Friedhof und einem „Jüdischen Nachmittag“, der Interessantes und Wissenswertes über das Judentum und das jüdische Leben in Bad Kissingen vermitteln will.
Am 19. September werden die Grenzen des Landkreises Bad Kissingen kurz überschritten, wenn Pfarrerin Johanna Rau durch die ehemalige Synagoge von Heubach führt und nicht nur den ehem. Gottesdienstraum, die Frauenempore, die jüdische Schule und die Mikwe, das rituelle Tauchbad, erläutert, sondern auch einen lebendigen Einblick in das Leben einer jüdischen Landgemeinde in der Rhön und in die Geschichte der Heubacher Juden vermittelt.

Die bekannte Fernsehjournalistin Evi Kurz stellt in ihrem Vortrag „Die Kissinger-Saga: Walter und Henry Kissinger“ (23. September) mit zahlreichen Filmausschnitten die bewegende Familiengeschichte der beiden Brüder aus Fürth vor.

Am 9. und am 24. Oktober steht mit Harry’s Freilach „Klezmer Tov“ und mit dem Konzert der Kissinger Kantorei, die in der Herz-Jesu-Kurche „Zwischen Gewandhaus und Schtetl“ Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy sowie hebräische und jiddische Lieder darbietet, noch einmal die Musik im Mittelpunkt.

Die Reihe der Jüdischen Kulturtage 2010 geht zu Ende mit dem viel beachteten Dokumentarfilm „Stolpersteine“ von Dörte Franke über das Projekt von Günter Demnig (4. November) und einem Vortrag des Würzburger Professors Wolfgang Riedel, der jüdische Autoren der Jahrhundertwende wie A. Schnitzler, Franz Werfel und Hugo von Hofmannsthal in den Mittelpunkt seiner Ausführungen mit dem Titel „Wie schön ist es ein Arier zu sein – man hat sein Talent so ungestört“ am 10. November stellt.

Über das ausführliche Programm der Jüdischen Kulturtage 2010 können Sie sich in einem Flyer informieren, der bei vielen öffentlichen Stellen ausliegt.

Das Programm und einen Flyer finden Sie über den Link.

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