Kühl war es. Viel zu kühl eigentlich für vergangenen April. Und windig. Viel zu windig für einen Fototermin im Freien vor dem Ortsschild und mit dem Trikot. Aber Alexander Berger ist ja abgehärtet, mag es kalt. Und gerne sogar glatt, auch wenn der Winter längst vorbei ist. Mit senien 15 Jahren feierte der Eishockeyspieler aus Bad Kissingen auf dem Eis einen riesigen Erfolg, wurde mit den Jungadlern Mannheim Meister der Deutschen Nachwuchsliga DNL.
Ostern 2006: Für ein paar wenige Tage darf Alexander zuhause in der elterlichen Wohnung entspannen. Bei Mutter Liz und Vater Hajo, bei denen er seit 2005 nicht mehr lebt. Weil er den Sprung nach Mannheim wagte, nachdem zuvor bereits Kassel und Trainer Milan Mokros an ihm Interesse zeigte. Doch bei den Hessen waren die Voraussetzungen nicht so gegeben wie in der Quadratstadt, wo mit Helmut de Raaf einerseits ein bekannter Coach verantwortlich ist, andererseits ein Förderzentrum mit einem Internat die besten Möglichkeiten abseits des Eishockeys bietet. Alexander Berger wurde letzten Sommer dort aufgenommen.
Die Bilanz nach einer Saison im Dress der Mannheimer fällt unterm Strich natürlich nur positiv aus. Weil das Team souveräner Deutscher Nachwuchsmeister wurde, das bereits zum fünften Mal in Folge, im Play.off-Finale den SB Rosenheim mit 8:4 auswärts und 10:0 (!) zuhause förmlich vom Eis fegte. „Es war ein lehrreiches Jahr“, sagt Alexander persönlich für sich. Denn er verbesserte sich und sein Leistungsvermögen im erhofften Maße.
„Die Mannheimer Spieler kommen ja alle von Bundesligavereinen“, weiß Berger um Namen wie Landshut, Köln, Krefeld, Düsseldorf oder Kaufbeuren als sonstige Herkunftsstädte seiner Kollegen. Da passt Bad Kissingen mit seinem Bezirksliga-Nachwuchs an sich gar nicht dazu. Doch als bei den Wölfen seine alte Mannschaft letztes Jahr auseinander zu brechen drohte, da schaffte der nur 1,71 Meter große und jetzt 72 Kilo schwere Reiterwiesener den Sprung von der Provinz in den 27 Mann Kader der Jungadler und stand bis zum Finale regelmäßig auf dem Eis. Obwohl Alexander Berger erst Eishockey spielt seit er ungefähr zehn Jahre alt ist, bei einem internationalen Turnier mitten in der Saison in Kanada sich beim ersten Training in Übersee den Mittelfuß anbrach und rund acht Wochen ausfiel. Ein Rückschlag, der ihn nur noch härter machte.
„Ich habe vergangene Saison einen großen Schritt nach vorne gemacht“, berichtet er von insgesamt über 70 Partien der Jungadler. Vier Sturmreihen und drei Verteidigerpärchen setzten die regelmäßig ein. Beim dritten Abwehrduo kam Alexander Berger, einer der ganz Jungen im Kader, wechselweise zu seinen Einsätzen. Nach rund 30 Toren und 40 Vorlagen für die Bad Kissinger Schüler („da war´ s natürlich ein bisschen leichter...“) fiel seine eigene Scorerbilanz freilich längst nicht ähnlich ertragreich aus. Doch dafür hielten sich auch seine Strafzeiten („nicht so wie früher...“) in Grenzen. Kurz vor Ostern, als die Mannheimer zum Abschluss der Saison schnell noch mal ein internationales Turnier in Prag gewannen, da traf Alexander erstmals, gab zwei weitere Assists. Das als Zeichen dafür, dass es noch immer stetig aufwärts bei ihm geht.
„Er ist da wie ein Schwamm“, vergleicht Mutter Liz Berger ihren Sohn. Weil der alles aufsaugen würde, was ihn weiter brächte. „Da ist er richtig heiß drauf! Knüppelhart“ sei die Umstellung zu Beginn gewesen, weiß die Mutter, „anfangs jammerte er, weil er seinen Arm nicht mehr bewegen konnte. Doch jetzt ist es schön zu spüren, wie er die Härte ertragen kann“, sieht sie die Fortschritte des erwachsen werdenden Sohnes, der im Wohnheim ein Einzelzimmer hat. „Helmut de Raaf gab früher auf dem Eis selbst immer 140 Prozent. Und das erwartet er nun auch von seinen Spielern“, sagt Alexander Berger über seinen Trainer.
Die 8. Jahrgangsstufe besuchte er nach den Osterferien 2006 wieder, ist da sogar der beste seiner Realschulklasse. Das Lernen auf dem Eis und mit den Lehrbüchern betrachten die Mannheimer als gleich wichtig. Bis 16 Uhr dauert täglich der Unterricht der Ganztagsschule, danach steht Eishockeytraining an. Und frühmorgens auch schon, bevor für das Leben gelernt wird. Dafür ist er in der Schule vom Sport (wie auch weitestgehend von Kunst und Musik) befreit. Eine Umstellung natürlich für Alexander Berger, der nun innerhalb kürzester Zeit inklusive Heimat drei Mal die Schule wechseln musste, das inzwischen aber längst verkraftete.
„Stammspieler werden und nochmals Meister“, lautet Alexanders Ziel. Zwei Jahre möchte er noch bleiben bei den Jungadlern. Durchaus denkbar, hat ihm Helmut de Raaf schon signalisiert. „Alleine auf Mannheim fixiert bin ich aber nicht“, könnte sich der Bad Kissinger durchaus auch einen weiteren Tapetenwechsel vorstellen. „Bei den Jungadlern verspreche ich mir jedoch die beste Zukunft“, sagt er trotzdem und skizziert seine weiteren Pläne schon mal: Eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann könnte er parallel zum Eishockey nach der Schulzeit absolvieren, dann vielleicht eine Förderlizenz bekommen, später in der 2. Bundesliga oder notfalls der Oberliga Spielpraxis sammeln, parallel vielleicht den Sprung in der Kader der großen Adler schaffen. Zukunftsmusik!
Rund ein halbes Jahr, nachdem dieser Artikel entstand, hat sich dann doch etwas getan: Seit Beginn der Saison 2006/2007 spielt Alexander Berger mit Erfolg für die DNL-Mannschaft der Düsseldorfer Metro Stars.