Bierkrüge und drei Gebetbücher über Brauereien Einen Altar hat
Herbert Pfaff nicht in seiner Wohnung, wohl aber drei „Gebetbücher“. So nennt der 67-Jährige die Bände, in denen alles über ehemalige und heutige Brauereien steht. Ein Thema, das den Pensionär im höchsten Maße interessiert. Denn er
sammelt alte Bierkrüge und Biermarken.
Alt bedeutet: Vor dem Krieg müssen sie hergestellt sein. Und: aus dem fränkischen, bevorzugt unterfränkischen Raum sollen sie stammen. Pfaff, ein echter Bamberger, den es von Berufs wegen nach Bad Kissingen verschlug, entdeckte sein Hobby vor rund neun Jahren. Damals war er in der alten Heimat rein zufällig auf einer Tauschbörse in Gaustadt, als er einen ganzen Tisch voller Bierkrüge sah. Wieder zuhause in Arnshausen angekommen, erinnerte er sich an einen „Schlenkerla“-Krug, ein gesuchtes Exemplar, das bei ihm schon länger in der Wohnung stand, welches er aber nie so recht beachtete. Danach dann aber schon.
Seitdem sammelt er Krüge. Um die 400 sind es mittlerweile. „Und nochmals 100 zum Tauschen“, erzählt er. Exemplare also, die er doppelt hat, die aber genauso wertvoll sind und die er dann bei drei bis vier Tauschbörsen im Jahr, bevorzugt im Raum Bamberg, dabei hat. Über 70 Brauereien gab es zu Hochzeiten alleine in der Residenzstadt an der Regnitz. Heute sind es noch deren neun.
„Ein Stück Bierkultur hochhalten für die Nachkommen“ will Pfaff mit seinem Hobby. Dass er selbst den Gerstensaft der im Fernsehen dauerhaft präsenten Brauerein natürlich ablehnt („da bin ich bodenständig eingestellt“), versteht sich von selbst. Genauso sein eigener Biergenuss „nur in Maßen“, wobei hierbei tatsächlich die Einschränkung („nicht regelmäßig, nur wenn ich in Bamberg nauf´n Keller bin“) und nicht der große Krug gemeint ist.
Wobei: Die ein oder andere „Sparmaß“ steht freilich bei ihm im Regal. Diejenigen Krüge sind gemeint, die nur 0,9 Liter fassen. Solche für drei oder gar fünf Liter besitzt er natürlich auch. Getrunken wird aus keinem der Exemplare in den Regalen. Weder aus den geritzten, den vorne geeichten noch den handgedrehten Krügen.
Die alten Brauereien, die es längst schon nicht mehr gibt, faszinieren Herbert Pfaff ganz besonders. So hat er aus Schweinfurt Krüge der Brauerei Hartmann am Wall, von Hagenmeyer, der Ebersberger oder der Vereinsbrauerei, aus dem Landkreis welche der Brauerei Henkelmann aus Gerolzhofen. Aus der Rhön besitzt er Krüge der Brauerei Gabold aus Bad Neustadt an der Saale oder dem Brauhaus Neustadt, aus Ostheim den der Bürgerbräu oder den Krug des Bürgerlichen Brauhauses Mellrichstadt. Und natürlich Trinkgefäße vom Kreuzberg und der Klosterbrauerei dort. Eines hat sogar einen Original-Zinndeckel.
Im Landkreis Kitzingen ist Herbert Pfaff ebenfalls kein Unbekannter, nennt die Krüge des Brauhaus Marktbreit, der Kitzinger Brauerei Lang oder der Klosterbräu in Ochsenfurt sein Eigen. Von der Bürger-Bräu in Marktheidenfeld oder der Brauerei Stumpf in Lohr am Main hat er Krüge aus dem Landkreis Main-Spessart. Rotenhan-Bräu oder Bergbräu Zürl aus Rentweinsdorf sind neben diverser Krüge der Brauerei Walfisch aus Haßfurt seine schönsten Exemplare aus den Haßbergen. Aus Ebern besitzt er keine, obwohl es dort auch mal sieben Brauereien gab. Herbert Pfaff weiß von nahezu allen auswendig, wann sie geschlossen haben. Steht in den Gebetsbüchern…
Von 1909 und der Thundorfer Brauerei im Landkreis Bad Kissingen ist sein ältestes Exemplar. Der persönlichste aller Bierkrüge steht bei dem Sammler allerdings auf einer Kommode im Windfang: „Pfaff“ lautet die Aufschrift darauf als Werbebotschaft eines Nähmaschinen-Fabrikanten, der in einem der drei „Gebetbücher“ sicherlich nicht auftaucht...
Die zweite große Leidenschaft Pfaffs hat auch mit Bier zu tun: Um die 200 Biermarken besitzt er in einem Album. Drei- bis sechseckig und natürlich rund sind die, aus

Aluminium genauso wie aus Messing. Einstige Rechenerleichterungen für die Bedienungen in den Gasthäusern, die so beim Abrechnen mit dem Wirt über die Anzahl der bestellten Biere schnell ihr Trinkgeld beiseite bringen konnte.
„Gut für eine halbe Bier“, „Flaschenpfand“, „Wertmarke“ oder „Gut für 1 Liter Festbier“ steht auf den Marken – jeweils mit der namentlichen Nennung der Brauerei. Und alte Brotmarken hat er auch, welche die Bauern früher für ihr abgeliefertes Mehl bekamen. „Es gab schon Bäcker, die diese Marken gegen Brot eingetauscht hätten“, erzählt er.
Wer auf seinem Dachboden etwas entdeckt hat, mit dem er Herbert Pfaff eine Freude machen könnte: Der Sammler freut sich auf Kontakt mit Gleichgesinnten. Ein Anruf unter der Tel.-Nr. (0971) 5654 genügt. Denn geht der 67-Jährige in Zeiten des schnurlosen Telefons gleich während des Gesprächs sicher sofort in sein Untergeschoss und schaut nach, ob er Krug oder Biermarke gebrauchen kann.