„Sie sind ein großer Mann, Bad Kissingen ist eine kleine Stadt!" So verglich Oberstudiendirektor Frank Kubitza, der Leiter des Bad Kissinger Jack-Steinberger-Gymnasiums seine Heimat mit der Person, die nun im Alter von 85 Jahren die Ehrenbürgerwürde verliehen bekam. Nobelpreisträger Prof. Dr. Jack Steinberger, der gebürtige Bad Kissinger, kehrte dafür in seine Heimatstadt zurück und wurde im Rossini-Saal des Regentenbaus begeistert gefeiert.
In seiner Laudatio ging Oberbürgermeister Karl Heinz Laudenbach auf den Lebensweg des neuen Ehrenbürgers ein. Als Hans Jakob Steinberger kam er am 25. Mai 1921 zur Welt, besuchte ab 1927 die örtliche Volksschule, ab 1931 die Realschule in der Maxstraße. „Ihre Eltern erkannten sehr schnell das menschenverachtende und destruktive Potenzial, das in der antisemitischen, nationalsozialistischen Ideologie steckte", beschrieb Oberbürgermeister Karl Heinz Laudenbach die Ursache für die „letztlich lebensrettenden Konsequenzen" der Familie jüdischer Abstammung, die nach Amerika auswanderte.
Dort machte der jetzige Ehrenbürger unter dem neuen Namen Jack in Chicago sein Abitur, schloss 1942 sein Studium mit dem „Bachelor of Science" ab und schrieb sich nach dem zweiten Weltkrieg an der University of Chicago ein, um Physik zu studieren. 1948 promovierte Jack Steinberger über ein Experiment mit kosmischer Strahlung.
1950 wechselte er zur Columbia Universität nach New York, wurde dort 1954 zum Professor für Physik berufen, wies 1962 mit Kollegen nach, dass mindestens zwei Arten von Neutrinos existieren und bekam für diese neue Erkenntnis über die Grundbausteine der Materie 26 Jahre später, 1988 also, den Nobelpreis für Physik zugesprochen.
Seit 1968 arbeitete Jack Steinberger am Europäischen Laboratorium für Elementarteilchen in Genf, setzte sich dort auch kritisch mit der Atomenergie auseinander, forscht auch im hohen Alter noch immer täglich. Laudenbach würdigte ihn nicht nur die beruflichen Verdienste, sondern auch für seinen Einsatz für die politische Freiheit in Amerika, für seine Kritik an der Umweltpolitik der Vereinigten Staaten, für seinen Kampf für die Abrüstung, für seine Brückenschläge zur jüngeren Generation und für seine Bescheidenheit. „Ich fühle mich zu hoch geehrt", schrieb Steinberger noch kürzlich in einem Mail an den OB.
„Danke für die Wiederaufnahme in der Stadt meiner Kindheit. Die generösen Lobesworte bringen mich aber in Verlegenheit. Ich habe ja nicht sehr viel für Bad Kissingen getan", blieb der Ehrenbürger in seiner kurzen Rede am Tag der Ehrung auch tatsächlich bescheiden und bestätigte mit perfektem Deutsch, dass er seinen im Jahre 1934 vom damaligen Bad Kissinger Oberbürgermeister Dr. Pollwein ausgestellten Pass mit Recht noch immer besitzt.
Nach der Verleihung des Nobelpreises kam Professor Dr. Jack Steinberger im Juni 1989 erstmals nach der Emigration wieder in seine Geburtsstadt, trug sich dort ins Goldene Buch ein, ist seitdem regelmäßiger Gast, fand an der Saale alte wie neue Freunde und ist nun nach Dr. Hans Weiß und Kardinal Julius Döpfner der dritte Ehrenbürger nach dem Krieg. Mit Gedichten und singend würdigten die Klasse 5a und die Kollegiaten des Jack-Steinberger-Gymnasiums den Akt. Die künftigen Abiturienten enthüllten zudem ein kreativ gestaltetes Riesenbanner. 2001 erhielt die Schule den neuen Namen, 2006 beschloss Bad Kissingens Stadtrat die höchste Auszeichnung, die man zu vergeben hat.