Johannes R. Köhler: Musik zum Streicheln nicht nur für den Marktplatz
Wer in Bad Kissingen rund um den Marktplatz unterwegs ist, wird sicherlich zu Ladenöffnungszeiten die beruhigenden Klänge bemerken, die aus den Lautsprechern vor dem Geschäft an der Südseite kommen. Klassisch-romantische „Musik zum Streicheln" ist es, „klingende Medizin für die Seele" laut Aufschrift an der Frontseite. Der Komponist der Titel heißt Johannes R. Köhler.

Wer in Bad Kissingen rund um den Marktplatz unterwegs ist, wird sicherlich zu Ladenöffnungszeiten die beruhigenden Klänge bemerken, die aus den Lautsprechern vor dem Geschäft an der Südseite kommen. Klassisch-romantische „Musik zum Streicheln" ist es, „klingende Medizin für die Seele" laut Aufschrift an der Frontseite. Der Komponist der Titel heißt Johannes R. Köhler.
Der waschechte Garitzer ist eine DER Persönlichkeiten der Stadt. Verschiedenste Ehrenämter nahm und nimmt der Kaufmann noch immer ein. Bis zum Alter von 38 verkaufte Köhler, Jahrgang 1933, beruflich ausschließlich Orientteppiche in einem Laden an der Saale, ehe ihn die Liebe zur Musik nochmals sechs Jahre lang am Konservatorium und an der Hochschule für Musik in Würzburg studieren ließ. „Ich wusste, dass ich ein Talent dafür habe und wollte nicht sterben, ohne es ausgenutzt zu haben", sagt er heute. Auf seinem Akkordeon spielte er aber schon als Kind.
1981 veröffentlichte Köhler seine erste von mittlerweile 13 Platten bzw. CDs. „Gefühle" heißt sie, enthält wie alle anderen auch zwölf Titel, geschrieben zu einem eher traurigen Anlass, weil seine Berner Sennenhündin Amelie starb. Über eine Million Tonträger verkauften sich seitdem. Anfangs nur im Teppichgeschäft mit angeboten. Und weil Köhler nach eigenen Angaben „eine soziale Macke" hat, schon früh seine karitative Ader entdeckte und Spaß daran fand, zur Weihnachtszeit in Garitz älteren Menschen Geschenke zu machen, spendete er 226.381 DM (!) aus den Erlösen für den Tierschutzbund.

232.282 DM waren es, die Karl-Heinz Böhm für Kinder in Afrika bekam. Weil sich „Zärtlichkeiten", die zweite Scheibe, ebenso gut verkaufte. Und das, entgegen der Prognosen der Platenfirmen, alleine über sein Teppichgeschäft. „Die Liebe lässt uns den Himmel berühren", „Wie Duft von Lotos und Jasmin" oder „Blumenwiese im Morgentau" heißen Köhlers Songs. Allesamt von den Münchner Symphonikern eingespielte Instrumentaltitel. Auf Texte verzichtete der Komponist bewusst, „weil sich die Hörer so selbst empfinden können und die Titel nicht auf den Inhalt festgelegt sind".
Doch texten kann Johannes R. Köhler freilich auch. „Wir sind die 06-er, die Fußballverhexer", dichtete er beispielsweise jüngst erst für den FC Bad Kissingen zu dessen 100. Geburtstag. „Eine Ader für lustige Verse" besitzt er, schrieb neben Reden für den Garitzer Faschingsclub seinem Sohn zu dessen 40. Geburtstag 100 Limericks und zum 50. Wiegenfest ein 15-seitiges Gedicht. Sozial engagiert war er schon immer: Als Weihnachtsmann für alte Menschen, im Verein für geistig Behinderte oder im Pfarrgemeinderat.

Das Verdienstkreuz am Bande bekam Köhler für seine sozialen Dienste vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Weil er insgesamt über 1,4 Millionen DM aus seinen Plattenerlösen an SOS Kinderdörfer, UNICEF oder Rotes Kreuz spendete. 1991 gab er sein Teppichgeschäft auf, widmete sich ausschließlich der Musik, musste für die Verkaufserlöse aber auch die Werbetrommel kräftig rühren. Carolin Reiber, Elmar Gunsch, Max Schautzer oder Dieter-Thomas Heck sind auf Fotos im Laden verewigt. Köhler trat in ihren Sendungen auf.
„Mitte der 90-er Jahre war ich bei einer Radiostation in Kiel", erinnert er sich beispielsweise, „nach 20 Minuten brach das Telefonnetz des NDR zusammen". Als er wieder in Unterfranken war, riefen zuhause bereits Hörer in dreistelliger Anzahl an, um sich nach seinen Werken zu erkundigen. Mittlerweile aber verlor Köhler ein wenig den Draht zur heutigen Medienwelt, stellte daher auch seine Spendenaktionen weitestgehend ein. Eine 13. CD plante er aber dennoch, will auch in Bad Kissingen mal wieder ein öffentliches Konzert veranstalten. Mit Musik ohne Spannungen und Aggressionen. „Begegnungen" heißt die mittlerweile erschienene, neue Silberscheibe, die es seit der Weihnachtszeit 2006 gibt. Rund 1000 Stück verkauften sich bereits in den ersten Wochen.
Weitere Infos unter www.musik-zum-streicheln.de oder Tel.: 0971/2259