Zu jedem Bahnhof gehörten damals auch Wartesäle I., II. und III. Klasse, je nach „Kategorie“ der Reisenden. Nach dem Regierungsantritt von König Maximilian II. (1848) wurden auch Lokalitäten für allerhöchste Herrschaften aus Familien regierender Häuser vorgesehen. So entstanden Fürstenzimmer z.B. in München, Lindau, Augsburg, Bamberg, Hof, Starnberg, Veitshöchheim, Würzburg, Hohenschwangau, Ansbach, also vor allem an Orten, die von dem entsprechenden Personenkreis aufgesucht wurden. Sie dienten den Herrschaften dazu, um abgeschirmt von den übrigen Zugreisenden in behaglich eingerichteten und mit eigenen Toiletten ausgestatteten Räumlichkeiten auf ihre Salonwagen warten zu können. Außerdem konnten in diesen Salons auch Ankunfts- und Verabschiedungsempfänge durchgeführt werden.
Auch in Kissingen entstand solch ein Salon, dekoriert im Stile der Zeit, dem Historismus. Dass dafür der anerkannte und viel beschäftigte Dekorationsmaler Joseph Schwarzmann (1806-1890) den Auftrag für die Arbeiten im Königssalon erhielt, zeigt die Bedeutung, die man diesem Gebäude zumaß. Trotzdem musste Schwarzmann, wie damals üblich, eine Kaution von 680 Gulden hinterlegen, bevor er die Maler- und Stuckarbeiten ausführen durfte.
Joseph Schwarzmann, der mit Friedrich v. Gärtner zusammen arbeitete, war in Kissingen kein Unbekannter. Von ihm stammten bereits die Ausmalung des Konversationssaales/ Rossinisaals (1838) und der Ev. Kirche (1847). Beide Arbeiten existieren nicht mehr. Weitere Arbeiten von ihm waren in München (Ludwigskirche, Pinakotheken, Residenz), in Mannheim (Synagoge), in Aschaffenburg (Pompejanum), in Speyer (Dom) und in Athen (Schloss) zu sehen.
Den rechteckigen Königssalon überzog Schwarzmann mit einer Stuck- und Malereidekoration im klassizistischen Stil und nahm damit die von Bürklein vorgesehene Stilform auf. Über einer Sockelzone sind Pilaster mit abschließendem Gebälk angebracht, die in eine Felderdecke übergehen. Die Schablonenmalerei zeigt die typisch klassizistischen Motive wie Palmetten und Spiralranken. In die Deckenmalerei einbezogen sind das königliche Wappen, in der Rosette finden sich vier Schwanenmotive. Vielleicht wollte Schwarzmann mit den Schwänen ein Lieblingsmotiv von Ludwig II. aufnehmen, ohne zu ahnen, dass kein bayerischer König mehr den Salon betreten würde, sondern „nur“ Prinzregenten.
Als 1894 Prinzregent Luitpold nach Bad Kissingen kam, berichtete die Saale-Zeitung: „Den Eingang zum Königs-Salon schmücken Wappen und Fahnen, das Innere dieses reich ausgestatteten Empfangs-Gemaches zieren kostbare Pflanzengruppen.“
Bei einer Umgestaltung der Wartesäle in den 1970er Jahren in ein Restaurant, wurden beim Königssalon einige Änderungen vorgenommen, z. B. die Eingangstür verlegt, und der vermutlich einzige noch existente Raum dieser Art in Bayern renoviert.
Den Flyer können Sie über den Link downloaden.
![]() |
Bahnhof "Fürstenzimmer", 137 KB |