| Mittwoch, den 19.06.2013 | ||
| 19.06.2013 - Kinder/Jugendliche | ||
| 19.06.2013 - Ausstellung | ||
| 19.06.2013 - Ausstellung | ||
| 19.06.2013 - Ausstellung | ||
| 19.06.2013 - Ausstellung | ||
Der Stadtrat der Stadt Bad Kissingen hat in seiner Sitzung vom 8. Oktober 2008 grünes Licht für die Umsetzung der Aktion „Stolpersteine“ in Bad Kissingen gegeben. Mit Freude kann ich feststellen, dass sich schnell und effizient eine Initiative von Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt gebildet hat und somit das Hineintragen des Projektes in die Bevölkerung gelungen ist. Es handelt sich hier nicht um ein Projekt des Stadtrats. Es ist vielmehr ein Projekt der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt! Mit dieser Bürgerinitiative ist ein erstes wichtiges Ziel erreicht worden.
Doch, worum geht es bei der Aktion „Stolpersteine“? Es geht um eine „Entmassung“ eines gigantischen Verbrechens, nämlich des Holocaust in Deutschland, der Verfolgung und Entrechtung von Menschen, die nicht in die rassischen, religiösen, politischen, sozialen und gesellschaftlichen Vorstellungen der nationalsozialistischen Machthaber passten.
Es geht um eine Personalisierung der Opfer. Die Stolpersteine wollen namenlosen Opfern wieder eine Identität geben, Ihre Identität zurückgeben. Und diese Identität besaßen und besitzen diese Opfer hier in unserer Stadt, die auch ihre war, gerade so wie sie heute unsere ist, mit ihrem letzten freiwillig gewählten Wohnort in Bad Kissingen, sie waren Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. Sie haben zu uns gehört. Sie haben hier gelebt wie wir.
Dass wir diesen Menschen, diesen Bürgerinnen und Bürgern ein klein wenig Individualität zurückgeben, ist nichts weiter als angemessen.
Und so ist es gut, dass bereits nach einer kurzen Vorlaufzeit heute die erste Verlegungsaktion realisiert werden kann, zeigt dies doch den Willen in der Stadt, sich diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte aktiv stellen zu wollen - als dauernde Mahnung und gelebte Erinnerung an Bürgerinnen und Bürger, an Jung und Alt.
Die erste Verlegungsaktion ist das Ergebnis eines Konzeptes, welches in den Arbeitsgruppen und im Plenum der Bürgerinitiative „Bad Kissinger Stolpersteine“ erarbeitet wurde: So können wir heute sieben Bürgerinnen und Bürger Bad Kissingens mit Stolpersteinen gedenken.
Auch die Personenauswahl für die ersten Stolpersteine ist dabei durchdacht. Mit ihr wird ein breiter Opferkreis aus den Jahren 1933 (Phase der Machtergreifung und Beginn der Ausgrenzung von Juden in Deutschland), 1938 (Reichspogromnacht und Übergang von der Entrechtung und der Ausgrenzung der Juden in Deutschland zur Verfolgung bzw. Vernichtung) und 1941/43 (Holocaust) an individuellen Opferschicksalen dokumentiert.
Dass der Stadtrat nicht nur durch Beschlussfassung grünes Licht für dieses Projekt gegeben hat, sondern sich mit diesem Projekt identifiziert, zeigt deutlich seine Entscheidung, das Projekt „Bad Kissinger Stolpersteine“ mit einem Stein für Stadtrat Otto Goldstein zu beginnen. Die Patenschaft für diesen Stein haben alle Fraktionen und Ausschussgemeinschaften des Stadtrates gemeinsam übernommen.
Von zweifacher Symbolkraft ist auch, dass dieser Stein für Otto Goldstein hier vor dem Rathaus unserer Stadt verlegt wird: Nicht an Otto Goldsteins letztem Wohnhaus, sondern an der Stätte seines Wirkens als Stadtrat in Bad Kissingen, an der Stätte also, die für die Stadt steht, mit der sich Otto Goldstein in seinem Denken und Handeln identifiziert hat.
Damit steht gerade der Stolperstein für Otto Goldstein am Rathaus unserer Stadt an einer exponierten Stelle zum Gedenken an alle unsere Bürgerinnen und Bürger, die unter der nationalsozialistischen Diktatur gelitten haben, verfolgt und ermordet wurden. Dieser Stein steht aber auch als Aufruf – gerade an diejenigen, die politische Verantwortung auch hier in diesem Haus tragen – den Anfängen des Bösen zu wehren und aktiv für Freiheit und Menschenrechte in Europa, Deutschland und Bad Kissingen einzustehen.
Ein hoffnungsvolles Zeichen ist, und darüber freue ich mich besonders, dass sich Schülerinnen und Schüler der Staatlichen Realschule und des Jack-Steinberger-Gymnasiums bei Recherche, Vorbereitungen und heute bei der Gestaltung dieser Verlegungsaktion eingebracht haben. Denn was wäre die Aktion „Stolpersteine“ ohne die Beteiligung der Schulen, ohne Interesse und Mitarbeit von Schülerinnen und Schülern, von Lehrerinnen und Lehrern? Wir brauchen auch künftig neue, wache, aktive Generationen von jungen Menschen, die sich mit unserer Geschichte auseinandersetzen, die sich der Stärken und Schwächen, der Glanzlichter und Schandflecken unserer deutschen Geschichte bewusst sind und die bereit sind, demokratische Verantwortung in einem vereinten Europa zu übernehmen.