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SOLMS HEYMANN (1858-1944), Textilkaufmann und ADELE HEYMANN (1866-1943), geb. Baum, Marktplatz 2

Solms HeymannBei dem im Jahre 1858 in Hamburg geborenen Solms Heymann handelt es sich um einen angesehenen jüdischen Geschäftsmann. Im Jahre 1876 war er nach Bad Kissingen gezogen und gründete dort ein Konfektionsgeschäft, das insbesondere Herrenartikel, Wäsche, Blusen, Korsetts, Schürzen, Frottierwäsche und Handschuhe verkaufte. Das Geschäft befand sich zunächst in der Ludwigstraße, später zog man an den Marktplatz (Ecke Badgasse) um. Verheiratet war der Geschäftsmann mit der 1866 in Höchst geborenen Adele Baum.
 

Solms Heymann engagierte sich auf vielfältige Weise in verschiedenen Kissinger Vereinen. So war er bis zur „Machtergreifung“ aktives Mitglied der Feuerwehr und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der freiwilligen Sanitätskolonne. Politisch trat er in Erscheinung, bad_kissinger_stolpersteine-16.jpgda er im Jahre 1908 den SPD-Ortsverband von Bad Kissingen mitbegründete. Besonders bereicherte er jedoch das kulturelle Leben der Kurstadt. Als Autor, Schauspieler und Regisseur beteiligte er sich an einer Vielzahl von Wohltätigkeitsveranstaltungen, deren Erlöse beispielsweise Kriegsgefangenen oder Verwundeten des Ersten Weltkrieges zugute kamen. Im jüdischen Geselligkeitsverein „Gesellschaft Erholung“ spielte er Theater und organisierte Vorträge und Feiern.

bad_kissinger_stolpersteine-17.jpgIm Gefolge der Reichspogromnacht wurde der 80-jährige Solms Heymann festgenommen und ins Amtsgerichtsgefängnis gebracht. Am 12. November 1938 entließ man ihn aus „Alters- und Krankheitsgründen“ aus der „Schutzhaft“. Als sich Heymann darauf hin um eine Ausreise bemühte, beschwichtigte man ihn bei der jüdischen Beratungsstelle mit dem Argument, dass man den alten Leuten nichts tun werde, sondern sie in Frieden sterben ließe. Außerdem hoffte Heymann darauf, dass sich die Kissinger Bürger und Behörden seiner Verdienste um die Stadt erinnerten.

bad_kissinger_stolpersteine-15.jpgDoch am 20. Mai 1942 brachte man Solms und Adele Heymann zusammen mit anderen hochbetagten Kissinger Juden in ein jüdisches Altersheim nach Würzburg, von wo aus sie im September 1942 weiter nach Theresienstadt deportiert wurden. Solms Heymann starb dort am 20. Juni 1944 im Alter von 86 Jahren an einer Lungenentzündung. Seine Frau Adele fand am 23. November 1943 im Ghetto Theresienstadt den Tod.
 

Text: Schülerinnen und Schüler der Klasse 9f der Staatlichen Realschule Bad Kissingen

 

Grußwort des Enkels Gary (Gerhard) M. Heymann (USA) zur Stolperstein-Verlegung am 19. Juni 2009.



 
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