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IRENE MÜLLER (1898-??), geb. Hofmann, Textilkauffrau, Untere Marktstraße 3

Irene Müller wurde am 1. November 1898 als einziges Kind des Textilkaufmanns Samuel Hofmann und dessen Ehefrau Sara in Bad Kissingen geboren. Die Familie lässt sich in der Kurstadt bis in die Anfänge des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. Irene kam im Elternhaus in der Unteren Marktstrasse 12 (heute Hausnummer 3) zur Welt und lebte in diesem Haus bis zu ihrer Deportation. Im Erdgeschoss befand sich das Textilgeschäft, im Obergeschoss war die Wohnung.

Am 4. November 1926 heiratete Irene in Frankfurt am Main den Kaufmann Leopold Müller, geboren am 25. Februar 1889 in Wertheim. Leopold Müller zog ins Elternhaus seiner Frau und das junge Ehepaar übernahm den Betrieb des elterlichen Textilgeschäfts.

Schon bald nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam es auch in Bad Kissingen zu immer stärkeren Repressalien gegen jüdische Mitbürger, vor allem gegen die Geschäftsleute. Nach den Ausschreitungen der Reichspogromnacht 1938 verkauften Irene und Leopold Müller ihr Geschäft an einen sogenannten „arischen“ Kaufmann. Obwohl ihnen ihre Existenzgrundlage genommen war, konnten sich die beiden nicht zur Auswanderung entschließen, denn sie wollten Irenes inzwischen verwitwete Mutter nicht allein zurücklassen. Als diese im August 1941 verstarb, war es allerdings für Irene und ihren Ehemann zu spät, das Land zu verlassen.

Am 24. April 1942 wurde Irene Müller gemeinsam mit ihrem Ehemann und 21 weiteren jüdischen Kissinger Bürgern nach Würzburg und einen Tag später im dritten Deportationszug der Würzburger Gestapo ins Ghetto Izbica bei Lublin deportiert. Ob sie noch dort oder in einem der nahen Vernichtungslager zu Tode kam, war ebenso unmöglich zu ermitteln wie ihr genaues Todesdatum.


Text: Barbara Thiele


 
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