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LOUIS HOFMANN (1871-1933), Untere Marktstraße 2

Hofmann LouisDer Bankier Louis Hofmann stammte aus einer alteingesessenen jüdischen Familie Bad Kissingens. Er kam am 27. Januar 1871 als drittes Kind des Textilkaufmanns Moses Hofmann und seiner Ehefrau Jette, geborene Hofmann, zur Welt. Im November 1902 wurde ihm durch Magistratsbeschluss der Stadt Bad Kissingen das Bürgerrecht verliehen.

Louis Hofmann führte im Familienanwesen in der Unteren Marktstraße 7 (heute Nr. 2) ein Bankhaus. Er war aktiv in der jüdischen Gemeinde tätig. So sammelte er beispielsweise Geld für einen neuen Leichenwagen der Chewra Kadischa, des jüdischen Begräbnisvereins. Im Alter von 40 Jahren heiratete er 1911 in Würzburg die aus Veitshöchheim stammende Lina Thalheimer.

Am 17. März 1933, wenige Wochen nach Hitlers „Machtergreifung“, wurde Louis Hofmann, der herzkrank war und unter Bluthochdruck litt, zusammen mit anderen Kissinger Juden in „Schutzhaft“ genommen. Man warf ihm vor, sich als „marxistischer Spitzel“ betätigt zu haben und „sich dadurch sowie durch übles Geschäftsgebaren in früherer Zeit bei der anständigen Bevölkerung verhasst gemacht“ zu haben - Vorwürfe, die häufig zur Rechtfertigung von „Schutzhaftbefehlen“ dienten.

Hofmann LouisUnmittelbar nach Haftbeginn wies der zuständige Bezirksamtsarzt Dr. Löffler in seinem Bericht auf den desolaten Gesundheitszustand und die unzulängliche Unterbringung in einem ungeheizten Raum des Kissinger Gendarmeriegebäudes hin. Doch obwohl der Arzt Louis Hofmann als nicht haftfähig bezeichnete und ausdrücklich vor der Gefahr eines Schlaganfalls warnte, wurde dieser nicht entlassen, aber wenigstens am 18. März in die Haftzelle des Theresien-Krankenhauses verlegt.

Bereits einen Tag nach der Verhaftung musste der zuständige Regierungsrat eingestehen, dass die ursprünglich erhobenen Vorwürfe nicht zuträfen und eine weitere Aufrechterhaltung der Haft nicht „zwingend notwendig“ sei. Doch auf sein Ersuchen um Haftentlassung reagierte das Bayerische Innenministerium nicht.

Hofmann Louis und LinaAm 23. März bemühten sich auch Ehefrau Lina und Sohn Martin um Hofmanns Freilassung. Sie machten nochmals auf die Gefahr eines Schlaganfalls aufmerksam, baten um die Umwandlung der „Schutzhaft“ in Hausarrest und um Besuchserlaubnis. Doch auch diese Bitte wurde vom Kissinger Bezirksamt abgelehnt.

Am Abend des 7. April erlitt Louis Hofmann in der Haftzelle des Theresien-Krankenhauses einen Gehirnschlag und fiel ins Koma. Erst jetzt durfte ihn seine Familie besuchen. Er verstarb am Nachmittag des 8. April und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Bad Kissingen begraben.


Text: Marlies Walter