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CAROLA MANASSE (1883 - 1942), geb. Kissinger, Hausfrau, Hemmerichstraße 8

Carola Kissinger wurde am 4. Mai 1883 als jüngstes von vier Kindern des damals 39-jährigen Seidenfabrikanten Karl/Koppel Kissinger und seiner Ehefrau Jeanette, geborene May aus Waldorf bei Meiningen, in Bad Kissingen geboren. Ihr Großvater Löb Kissinger war in der Kurstadt Metzgermeister gewesen und hatte eine Metzgerei in der Oberen Marktstraße 4 betrieben, heute die Nummer 11. In diesem Haus vermietete er auch fünf Zimmer an Kurgäste. Carola wuchs mit ihren Geschwistern Emma, Siegfried und Else im roten Sandsteinhaus der Eltern in der Hemmerichstraße 31 auf, heute Hausnummer 8 und Firmensitz der Saale-Radiologie.
 

Carola heiratete wohl um 1910 den 20 Jahre älteren Juristen Dr. Sally Manasse, der 1863 in Posen geboren war. Sally Manasse war damals Justizrat in Berlin und mindestens zwischen 1899 und 1917 in der Kaiser-Wilhelm-Straße 12 in Berlin-Mitte gemeldet. Nach Gerüchten aus dem Familienkreis soll Carola Manasse im Jahr 1912 Sohn Hans geboren haben. Doch auch dazu sind keine Nachweise zu finden.

Am 31. Januar 1938 wurde Carolas Elternhaus in der Hemmerichstraße - mit 16 Zimmern, drei Küchen, einem Bad, drei Garagen und großem Garten - für 36.000 Reichsmark an den Kolonialwarenhändler Georg Pabst rechtmäßig verkauft. Dies wurde am 3. März 1954 in einem Gerichtsverfahren vor der Wiedergutmachungskammer am Landgericht Würzburg ausdrücklich festgestellt. Aus diesem Verkauf erhielt Carola wie ihre drei Geschwister mit 9.000 Reichsmark genau ein Viertel des Erlöses.

Am 17. Mai 1939 wohnte Carola, inzwischen 56 Jahre alt, mit ihrem schon 76-jährigen Ehemann bereits im Altersheim der jüdischen Gemeinde in Berlin-Schmargendorf in der Berkaer Straße 32/33, wie aus einer Volkszählung bekannt ist. Doch schon bald darauf ist das Ehepaar im Altersheim in der Großen Hamburger Straße 26 in Berlin-Mitte gemeldet. Dort starb Sally Manasse am 10. Januar 1941 und wurde vier Tage später auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Genau ein Jahr nach dem Tod ihres Ehemannes wurde Carola am 25. Januar 1942 durch die Geheime Staatspolizei von Berlin nach Riga deportiert. In diesem Transport Nr. 10, bei dem sie als Nummer 546 gelistet war, wurden insgesamt 1.044 Menschen aus verschiedenen Berliner Altersheimen vom Bahnhof Berlin-Grunewald in "gedeckten", also geschlossenen Güterwagen deportiert. Wegen der noch herrschenden Kälte erfroren viele der Deportierten bereits während des mehrtägigen Transports. Bei der Ankunft am Rigaer Vorstadtbahnhof Skirotava wurden die meisten Überlebenden von SS-Männern sofort erschossen. Von den über tausend Opfern, die Berlin verlassen hatten, überlebten diesen Transport nur 13 Menschen.

Welches Schicksal die 58-jährige Carola Manasse auf diesem Transport Nr. 10 nach Riga tatsächlich erleiden musste, kann nicht mehr ermittelt werden. Ihre Berliner Einwohnerakte wurde am 12. August 1944 geschlossen und gilt seit Kriegsende als verloren. Auch über Carolas Ehemann Sally Manasse gibt es heute keine amtlichen Aufzeichnungen mehr.


Stolperstein-Paten: Astrid und Manfred Bürger
Text: Sigismund von Dobschütz

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