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NANETTE HOLLÄNDER, geb. Stern (1873 - 1942), Maxstraße 24

Nanette Holländer wurde am 15. Oktober 1873 als zweites von drei Kindern des Kaufmanns Herrmann Stern und seiner Frau Karolina in Bad Kissingen geboren. Die alteingesessene Kissinger Familie betrieb in der Stadt ein Kurzwarengeschäft und wohnte in ihrem Haus Maxstraße 23 a (heute Nr. 24).
 

Mit dreißig Jahren heiratete „Nanni“, wie sie von allen genannt wurde, im August 1903 den fünf Jahre jüngeren Kaufmann Hermann Holländer aus dem Landkreis Hildburghausen. Das Paar hatte zwei Kinder, die Söhne Manfred (* 1905) und Sanibert (* 1906). Die Familie lebte in Nannis Elternhaus, wo sie auch einige Zimmer für Kurgäste vermietete. Als weitere wirtschaftliche Grundlage diente das Kurzwarengeschäft der Familie Stern und eine Autovermietung mit mehreren Fahrzeugen, die Ehemann Herbert aufgebaut hatte.

Durch die antisemitische Gesetzgebung, die 1933 einsetzte, wurde der Familie nach und nach ihre wirtschaftliche Existenz entzogen. Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 brachte für Nanni Holländer die wirtschaftliche und persönliche Katastrophe: Die Autohalle mit den Mietfahrzeugen wurde vom Nazi-Mob in Brand gesetzt und samt Autos vollkommen vernichtet. Ihr Mann erlitt bei den Löscharbeiten einen Zusammenbruch und starb nur drei Tage später am 12. November 1938. Für ihn wurde bereits am 19. Juni 2009 ein Stolperstein verlegt.

Einige Monate zuvor war Sohn Manfred, der mit seiner jungen Familie ebenfalls im Haus gelebt hatte, in die USA ausgewandert. Als im August 1939 auch der jüngere Sohn Sanibert das Land verließ, blieben Nanette Holländer von ihrer Familie nur noch ihre Schwester Selma und ihr Schwager Theo. Alle mussten im Haus bald eng zusammenrücken, denn das Anwesen wurde zu einem sogenannten „Judenhaus“, in dem auch andere Kissinger Juden zusätzlich einquartiert wurden.

Anfang April 1942 mussten Nanni und ihre Schwester das Haus verkaufen, wenige Tage später wurden Schwester und Schwager ins Ghetto Izbica bei Lublin deportiert. Kurz darauf verkaufte Nanni die ihr verbliebenen Möbel und musste am 21. Mai in das jüdische Altenheim nach Würzburg umsiedeln. Von dort wurde sie am 23. September 1942 unter der Evakuierungsnummer 276 ins KZ Theresienstadt deportiert. Vorher hatte man ihr bei der Leibes- und Gepäckvisitation noch ihren letzten Besitz abgenommen - zwei Esslöffel, eine Gabel und drei Messer. Wenige Wochen nach ihrem 69. Geburtstag starb Nanette Holländer am 3. Dezember 1942 im KZ Theresienstadt.


Stolperstein-Paten: Siegfried und Hedwig Schallert
Text: Barbara Thiele

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