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SIMON HERMANN ROSENAU (1861 - 1943?), Juwelier, Kurhausstraße 10

Der Juwelier Simon Hermann Rosenau stammte aus einer alteingesessenen jüdischen Familie in Bad Kissingen, deren Wurzeln sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Er wurde am 19. Januar 1861 als viertes Kind des Kaufmanns Salomon Rosenau und seiner Ehefrau Fanny Süßer geboren.
 

In erster Ehe war Rosenau mit der aus Fürth stammenden Luise Feuchtwanger verheiratet. Am 26. Dezember 1892 schlossen sie in Zell am Main den Bund fürs Leben. Aus dieser Verbindung gingen drei Kinder hervor: 1893 Ida, ein Jahr später Hermann Sigmund und 1896 Tochter Felicie.

Knapp zwei Jahre nach der Geburt von Felicie starb deren Mutter Luise am 6. August 1898 in München. Nach Ablauf des Trauerjahres heiratete Simon Hermann Rosenau deren fünf Jahre jüngere Schwester Paula Feuchtwanger in Eyb bei Ansbach. Aus dieser Ehe stammte Sohn Arthur.

Neben seinem Juweliergeschäft und dem Wohnhaus in der Kurhausstraße 10 in Bad Kissingen, in dem die Rosenaus auch eine Kurpension betrieben, besaß Simon Hermann Rosenau noch ein Juweliergeschäft und ein Wohnhaus in München. In den Adressbüchern der Stadt Bad Kissingen firmierte er in den 1920er Jahren als Hofjuwelier. Die Familie hielt sich während der Kursaison von April bis September meistens in Kissingen auf, sonst in München.

Als Rosenau im September 1932 wie jedes Jahr zurück nach München ging, konnte er nicht ahnen, dass er seine Geburtsstadt nicht wiedersehen sollte. Bereits wenige Wochen nach Hitlers "Machtergreifung" verließ Rosenau Ende März 1933 mit seiner Ehefrau und seinen beiden Söhnen fluchtartig Deutschland und lebte fortan in Paris. Sein jüngster Sohn Arthur war in München mit dem Tod bedroht und ein naher Verwandter in Bad Kissingen bereits Anfang März misshandelt worden.

Am 1. September 1933 erging gegen Simon Hermann Rosenau ein „Reichsfluchtsteuerbescheid“. Da er flüchtig und bereits außer Landes war, erließ die zuständige Finanzbehörde gegen ihn einen Steuersteckbrief und beschlagnahmte sein Vermögen. Die Reichsfluchtsteuer musste seit 1931 von allen Personen mit einem bestimmten steuerpflichtigen Einkommen oder Vermögen bezahlt werden, die ihren Wohnsitz im Deutschen Reich freiwillig aufgaben. In der NS-Zeit wurden die steuerpflichtigen Vermögensgrenzen stark herabgesetzt. Damit waren mit der Reichsfluchtsteuer vor allem Juden betroffen, die aus Furcht vor dem NS-Regime ihr Heimatland verlassen wollten.

Im Spätsommer 1933 sahen sich Simon Hermann Rosenau und seine Familie einer besonders gehässigen Diffamierungskampagne mit der Überschrift „Juwelier Rosenau hetzt aus Paris gegen das neue Deutschland“ in der NS-Zeitung „Fränkisches Volk“ ausgesetzt. Am 20. September verschärfte die Zeitung ihren Angriff auf Rosenau und dessen Familie. Voller Zynismus forderte das NS-Blatt gegen Ende des Artikels ihre Deportation in das Konzentrationslager Dachau bei München.
Diese Drohung des NS-Presseorgans sollte sich leider für die Rosenaus bewahrheiten. Nach der Besetzung Frankreichs durch die deutsche Armee waren sie in Paris ungeschützt der Verfolgung durch das NS-Regime ausgesetzt. Sie flüchteten nach Nizza in den Süden Frankreichs. Doch die Flucht endete für sie in Deportation und Tod. Am 23. Oktober 1943 wurden Simon Hermann Rosenau und seine Frau Paula im Lager Drancy interniert, von wo aus sie fünf Tage später am 28. Oktober mit dem 61. Konvoi nach Auschwitz deportiert wurden. Dort wurden sie wahrscheinlich unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Der genaue Zeitpunkt ihres Todes ist unbekannt.


Stolperstein-Paten: Thomas und Gerhild Ahnert
Text: Marlies Walter

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