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LUDWIG KISSINGER (1887 - 1942), Kaufmann, Marktplatz 17

Ludwig Kissinger, ein Urenkel des Gründers des kurstädtischen Familienzweiges Meyer Loeb Kissinger, kam am 9. Mai 1887 als Sohn von Max Kissinger und seiner zweiten Frau Thekla, geborene Eisenburg, zur Welt. Sein Vater war Inhaber eines Herrenkonfektionsgeschäfts mit Maßschneiderei am Marktplatz, wo die große Familie auch wohnte. Zwischen 1897 und 1904 besuchte Ludwig die Kissinger Realschule, das heutige Jack-Steinberger-Gymnasium.
 

Seine weitere Biografie ist von häufigen Wohnortswechseln geprägt. So wohnte er 1907 in Frankfurt am Main und Offenbach. Später erhielt er eine Berufsausbildung beim Polytechnischen Zentralverein in Würzburg und hielt sich hier zwischen 1912 und 1914 sowie - vermutlich nach seiner Kriegsteilnahme - von 1918 bis 1921 auf. 1921 zog er dann wieder in die hessische Stadt Offenbach am Main. In seiner Meldeakte ist als Beruf Lederwaren- und Metallwarenhändler angegeben. Von Ende November 1924 bis zum 1. März 1925 lebte er kurzfristig noch einmal in Bad Kissingen. Auf seiner Kissinger Meldekarte ist ohne nähere Ortsangabe vermerkt, dass er am 1. März 1925 weggezogen ist, mit der Angabe „auf Reisen“. Am 1. August 1928 wurde er aufgrund einer psychischen Erkrankung in die Jacoby’sche Heil- und Pflegeanstalt aufgenommen, eine jüdische Nervenheilanstalt in Bendorf-Sayn im Landkreis Mayen-Koblenz (Rheinland-Pfalz).

Auf Anordnung der NS-Behörden wurden die Heimbewohner zwischen März und Juni 1942 deportiert. Ludwig verließ die Nervenheilanstalt am 14. Juni 1942 und wurde über Koblenz, Köln, Düsseldorf nach Polen in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt. Über die Deportation dieser Patienten gibt es Augenzeugenberichte: Vom Koblenzer Güterbahnhof aus begann der Transport am 15. Juni 1942. Bereits am Tag zuvor waren etwa 250 Patienten und Pflegepersonal der Jacoby’schen Heil- und Pflegeanstalt von dort in Bendorf-Sayn in die Güterwagen verbracht worden. Eine Augenzeugin berichtete von dem Geschehen: „Ich sah den Zug stehen, als ich morgens zur Post ging. Es schnitt mir ins Herz. Dass so etwas Furchtbares überhaupt geschehen kann, ist mir unfassbar. Das Verladen – anders kann man es nicht nennen – ging heute früh um 7 Uhr vor sich. Gegen halb 3 Uhr war dann endlich der Zug fahrbereit. Alles kam in Güterwagen, auch das Personal, für das ursprünglich ein Personenwagen vorgesehen war. 60, gar 68 Menschen in einem Wagen, der fest geschlossen und verplombt wurde.“

Unmittelbar nach seiner Ankunft im Vernichtungslager Sobibor wurde Ludwig Kissinger ermordet.


Stolperstein-Pate: Kay Blankenburg

Text: Marlies Walter

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