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Weiterer Schritt Richtung Weltkulturerbe: Evaluation der Great Spas of Europe

Eine Pressekonferenz im tschechischen Karlsbad zur Nominierung der Great Spas of Europe als Weltkulturerbe versammelte  Vertreter der Vertragsstaaten, unabhängige Experten, Politiker und die Site Manager der an diesem Projekt beteiligten Kurstädte.

KARLSBAD. Letzten Monat fand in Österreich, Belgien, der Tschechischen Republik, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien und Italien die Technical Evaluation Mission, eine Begutachtung zur technischen Evaluierung der transnationalen seriellen Bewerbung der Great Spas of Europe für die Aufnahme in die UNESCO Weltkulturerbe-Liste statt. Zwei Experten des Internationalen Rats für Denkmalpflege (engl.: International Council on Monuments and Sites; kurz: ICOMOS), der für diese Evaluierungsmission verantwortlich ist, besuchten elf Kurstädte in Europa: Bad Kissingen, Baden-Baden und Bad Ems in Deutschland, Karlsbad, Marienbad, Franzensbad in Tschechien, Spa in Belgien, Vichy in Frankreich, Baden bei Wien in Österreich, Montecatini Terme in Italien und Bath im Vereinigten Königreich. Diese streben danach, als Gruppe von Kurstädten, die im späten 18. und 19. Jahrhundert das Modell „Kurstadt“ begründeten und die Höhepunkte des Kur-Phänomens in Europa vom späten 18. Jahrhundert bis zum frühen 20. Jahrhundert am besten verkörpern, auf die Weltkulturerbe-Liste gesetzt zu werden.

Die Spezialisten, die die serielle Bewerbung bewerten, sind international anerkannte Experten auf dem Gebiet des Weltkulturerbes. Ihre Untersuchungen konzentrierten sich auf verschiedene Aspekte der ausgewählten Grenzen des nominierten Schutzgutes, des Schutzes, des Managements, der Präsentation und allem voran, der Unversehrtheit und Authentizität der vorgeschlagenen Erbestätten. Sie werden die Ergebnisse der Evaluierungsmission detailliert an ICOMOS berichten. Die Inhalte werden aber nicht öffentlich gemacht. Ihr Bericht wird als Basis für die nächste Phase der Evaluation, den sogenannten ICOMOS World Heritage Panel, dienen. Dort werden weitere internationale ICOMOS Experten die Bewerbung und ihre Chancen auf eine erfolgreiche Aufnahme fachlich bewerten.

Eine Entscheidung über die Aufnahme der Great Spas of Europe in die Weltkulturerbe-Liste könnte frühestens auf dem 44. World Heritage Committee Meeting im Sommer 2020 in China erfolgen.


ICOMOS-Kommision besuchte Bad Kissingen

BAD KISSINGEN. Vom 16. bis zum 18. September fand die Begutachtung der Stadt Bad Kissingen durch ICOMOS statt. Eine der Aufgaben von ICOMOS besteht darin, vor der Ernennung neuer Stätten ein Fachgutachten über diese zu erstellen und Beschlussempfehlungen an das Welterbekomitee zu geben. Die Begutachtung vor Ort ist hierbei ein wichtiger Baustein für das Gesamtgutachten.

Dabei wird überprüft, ob und inwieweit die nominierte Stätte dem Weltkulturerbe-Antrag entspricht. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Frage, wie die lokalen Akteure das künftige Welterbe schützen und für die zukünftigen Generationen erhalten wollen.

Die Bereisung in Bad Kissingen begleiteten Vertreter des Antragstellers Tschechien, des in Großbritannien angesiedelten Generalsekretariats und die Sprecherin der drei deutschen Anwärter sowie Vertreter aus dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.  

Bei spätsommerlichen Temperaturen und Sonnenschein besichtigte die Gruppe ausgesuchte Gebäude und Einrichtungen der Stadt. 
Inhaltlich und organisatorisch hatte die Tour das Bad Kissinger „Great Spas of Europe Kernteam“ vorbereitet: Projektleiter Peter Weidisch, Birgit Schmalz (Kulturreferat), Anna Maria Boll (Site Management und Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege) und Christine Schwind (Stadtplanung). Sie hatten schon an dem Lokalen Managementplan für den Erhalt und die Vermittlung des nominierten Welterbes mitgearbeitet. Zusätzlich standen Experten aus der Stadt sowie von staatlichen Behörden und der Bayerischen Staatsbad Bad Kissingen GmbH für Fragen bereit. 

Kunstminister Bernd Sibler betonte: „Es freut mich sehr, dass Bad Kissingen mit der Teilnahme an der Evaluierungsmission seinem Ziel, als Mitglied der Great Spas of Europe Weltkulturerbe zu werden, einen Schritt nähergekommen ist. Mit seiner Symbiose aus Tradition und Moderne ist es ein Kurort der Extraklasse. Dieser gemeinsame Antrag von elf europäischen Städten versinnbildlicht die Traditionen, die wir innerhalb Europas teilen, und die Stärke, die sich aus der Gemeinschaft heraus ergibt. Ich werde den Kurstädten weiterhin die Daumen für ihren Antrag drücken. Eine Anerkennung Bad Kissingens als Weltkulturerbe würde weit über die Grenzen Bayerns hinaus strahlen!“

Ein Schwerpunkt der geführten Tour lag auf dem spezifischen Beitrag Bad Kissingens zur Serie der Great Spas of Europe: Dem zentralen Kurviertel, das sich um den Kurgarten herum entwickelte und in Funktion und Struktur hervorragend erhalten ist, die herausragende Qualität der Bauten von Max Littmann und Friedrich von Gärtner sowie die historischen Einrichtungen zur Gewinnung und Nutzung von Sole im zweiten, nördlich der Altstadt gelegenen Kurviertel. Das Interesse galt auch den in Bad Kissingen hervorragend erhaltenden Elementen der kurspezifischen Infrastruktur.

„Neben der gut erhaltenen Stadtstruktur der Kurstadt und den einzelnen Gebäuden hat Bad Kissingen in der Gruppe auch eine starke Stellung, was die „living tradition“ betrifft, von Traditionen, die aus der Weltbadzeit stammen und heute noch gelebt werden. Bei uns wird das Heilwasser von Menschen ausgeschenkt, die befähigt sind, Ratschläge zur Anwendung zu geben, das Kurorchester spielt  zweimal am Tag, und die Bootslinie verbindet heute wie damals  die beiden Kurzentren miteinander.“, erläutert Kulturreferent Peter Weidisch.
Oberbürgermeister Kay Blankenburg betont: „Ich war stolz, die Gutachterkommission durch Bad Kissingen begleiten zu dürfen.“ Für Kay Blankenburg war diese „Mission“ von zentraler Bedeutung. „Viele Jahre der Vorbereitung und unzählige Gespräche und Ausarbeitungen waren notwendig, um bis zu diesem Punkt, der realen Begutachtung unserer Stadt durch ICOMOS-Experten zu kommen. Wir konnten der Expertin die herausragenden Besonderheiten, das vielfältige historische Erbe und die heute noch gelebte Kurtradition vor Augen führen. Ich denke, dass uns dies gemeinsam sehr gut gelungen ist.“