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Coronakrise: Helferkreise Bad Kissingens bekommen finanzielle Anerkennung

Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel dankt Ehrenamtlern

Schon kurz nach Beginn der Coronakrise hatten sich auch im Landkreis Bad Kissingen sehr schnell Initiativen zusammengefunden, die älteren, vorerkrankten und anderweitig hilfsbedürftigen Personen unkompliziert Hilfe anboten. Acht Helferkreise waren es, die in der Stadt Bad Kissingen und ihren Stadtteilen Menschen in dieser Zeit unterstützten.

„In der Krise zeigt sich der wahre Charakter eines Vereins. In der Krise zeigt sich der wahre Charakter einer Stadt“, freute sich Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel über den Zusammenhalt während der Coronakrise bei einem Empfang der Helfer im Rathaushof. Hierbei übergab Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel eine finanzielle Anerkennung des Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales unter dem Motto „Unser soziales Bayern“. Er dankte für das ehrenamtliche Engagement der Helferkreise, zu welchen Mitglieder des 1. FC Bad Kissingen, des SV Garitz, dem TV Jahn Winkels und der Winkelser Feuerwehr, der TSVgg Hausen, des TSV 1898 Reiterswiesen sowie der Wärmestube, der Bad Kissinger Tafel und des Hospizvereins zählten.

„Corona war für uns alle mit plötzlichen Veränderungen verbunden – die Betreuung der Kinder, Homeoffice und Homeschooling, die Schließung von Geschäften und Einrichtungen oder auch die Tatsache, Freunden und Angehörigen nur noch per Telefon nahe sein zu können. Wir mussten uns neu organisieren – eine Herausforderung und für viele sicher auch ein Kraftakt. Dass sich trotz alledem so viele Bürgerinnen und Bürger um deren Mitmenschen gekümmert haben, ist bemerkenswert. Ein Einkauf für die Senioren von nebenan bedeutet nämlich nicht nur, Produkte mitzubringen und vor die Tür zu stellen, sondern ist ein direktes Signal: Ihr seid nicht alleine und wir sind gerne für euch da. Dafür kann ich mich nur ganz herzlich bedanken!“, so stellvertretender Landrat Gotthard Schlereth. 

Einzelne Spieler des 1. FC Bad Kissingen hatten in Sozialen Medien unter dem Hashtag #helfenstatttrainieren ihre Hilfe angeboten. „Von den einzelnen Spielern ist der Funke auf praktisch den gesamten Verein übergesprungen. Da hat sich eine Gruppe gefunden, auf die die einzelnen Einkäufe aufgeteilt wurden“, beschrieb Tizian Fella. Zirka 50 Einkäufe habe man in dieser Zeit erledigt. „Auf dem Fußballfeld hat man Rivalitäten. Aber man hat gesehen, wenn es hart auf hart kommt, dann arbeiten die Vereine gerne für die Stadt zusammen“, ergänzte Alexander Seidl vom SV Garitz. TSVgg Hausen hatte sein Hilfsprogramm außerhalb der Sozialen Medien organisiert und via Plakaten auf sich aufmerksam gemacht. „Vor allem jüngere Mitglieder haben sich zusammengefunden. Wir haben die Einkaufsfahrten mit unserem Vereinsbus organisiert“, erklärte der Vorsitzende Wolfgang Lutz. Tobias Vogel sprach beim TSV 1898 Reiterswiesen von einer Gruppe von zirka 15 Helfern, die „Einkaufs- und Botendienste für Hilfsbedürftige erledigten“.

Besondere Dankbarkeit für die Hilfsaktion der Winkelser Feuerwehr und des TV Jahn Winkels erlebte dessen Präsident Holger Buczynski. Ein wildfremder Mann habe ihn in der vergangenen Woche auf der Straße angesprochen: „Ich muss Sie wirklich sehr loben. Wir haben Ihren Dienst mehrfach in Anspruch genommen. Der Mann und seine Frau sind mobilitätseingeschränkt und hätten ohne die Hilfe diese Krise wohl nicht so gut überstanden.“ Wärmestube und Tafel standen vor anderen Problemen in der Krise. Die Wärmestube hatte in dieser Zeit nicht öffnen dürfen. Das Team hat „Essen gekocht und to go zum Selbstkostenpreis angeboten“, beschreibt Katrin Albert die Lösung. Vor allem die Ansprache für die Menschen sei hier als wichtiger Punkt hinzugekommen. Die Ehrenamtlichen der Tafel gehören zu einem großen Teil selbst der Risikogruppe der über 60-Jährigen an, weshalb der Vorsitzende Wolfgang Speyer versuchte möglichst junge Helfer für die Lebensmittelausgabe zu finden: „Mit dem notwendigsten Stamm konnten wir die Ausgabe organisieren“, erklärte er. Wegen der Hamsterkäufer mussten erstmals Lebensmittel mit Spendengeldern gekauft werden. Die Supermärkte, die sonst eigentlich die Waren stellen, konnten selbige in dieser Zeit nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stellen.

Das Social Distancing erschwerte die Arbeit des Hospizvereins. Man habe hier vor allem auf telefonische Beratung gesetzt, erklärte die leitende Koordinatorin des Hospizvereins Bad Kissingen Rita Hillenbrand. „Wir haben immer das Gesprächsangebot für unsere Begleitungen. Das haben wir ausgeweitet auf Menschen, die sonst keinen Kontakt zu uns haben. Es fanden und finden noch immer Gespräche mit Seniorinnen und Senioren statt, die einsam sind. Was normalerweise nicht unsere Aufgabe ist, wir aber dennoch durchgeführt haben, sind Botengänge“, erklärt sie. Außerdem führen bis heute die Mitglieder des Hospizvereins Gartenkonzerte durch.

Durch die Aktion „Unser Soziales Bayern“ erhielt der Landkreis Bad Kissingen, wie alle bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte, einen Betrag von 60.000 € vonseiten des Bayerischen Sozialministeriums. Diese Summe soll dem bürgerschaftlichen Engagement im Rahmen der Coronakrise zugutekommen.

Der Landkreis Bad Kissingen hat sich entschieden, diese Gelder direkt an die Kommunen zu geben, die die weitere Verteilung an die Initiativen vor Ort übernehmen. Die jeweilige Summe pro Kommune wurde anhand der Einwohnerzahl festgelegt.

Bislang wurden im Landkreis bereits in 19 Kommunen die Mittel vor Ort weitergeben – an sage und schreibe 77 Gruppen und Initiativen. Darunter waren z.B. Feuerwehren, das Bayerische Rote Kreuz, verschiedenste Vereine, Helfergruppen vor Ort oder auch klassische Nachbarschaftshilfen. In der Stadt Bad Kissingen erhielten nun acht Gruppen, die sich nach einem Presseaufruf melden konnten, eine Finanzspritze. Insgesamt hat die Stadt Bad Kissingen 3.871 Euro aus „Unser Soziales Bayern“ erhalten, die sie nun auf die Gruppen vor Ort verteilt hat. Jeder Helferkreis darf sich nun über insgesamt 484 € freuen.