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Stadt und Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH sehen Chance für Bad Kissingen

Vorsorgeleistungen sollen wieder Pflichtleistungen werden

Laut dem „Entwurf eines Gesetzes zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“ sollen 2021 Vorsorgeleistungen von Ermessens- in Pflichtleistungen umgewandelt werden. Dieser Entwurf wurde am 16. Dezember 2020 im Bundeskabinett verabschiedet. Sylvie Thormann, Kurdirektorin und Geschäftsführerin der Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH, sowie Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel sehen darin eine Chance für Bad Kissingen und eine Antwort auf eine alternde Gesellschaft.

Folgen der Gesundheitsreform 1996
„Mitte der 90er Jahre wurde Bad Kissingen durch die Gesundheitsreform hart getroffen. Die sogenannte ‚ambulante Badekur‘ wurde als Ermessensleistung zunehmend von den Kassen abgelehnt. Die Folgen wurden in Bad Kissingen schnell deutlich: Es wurden weniger Kuren verschrieben, die Dauer der Aufenthalte sank. Als Sohn eines ortsansässigen Masseurs und Physiotherapeuten spürte ich hautnah die Auswirkungen dieser Reform bei den Bad Kissinger Therapeuten und Einrichtungen. Teile der Folgen sind noch immer sichtbar: Viele Häuser von damals stehen leer und sind noch heute Gegenstand kommunalpolitischer Diskussionen“, berichtet Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel.
Chance für Bad Kissingen
„Wenn ambulante und stationäre Vorsorgeleistungen wieder Pflichtleistungen werden, bietet dies gerade in der aktuellen Zeit für alle Kurorte und insbesondere für Bad Kissingen eine gute Perspektive. Die kurortspezifischen Heilmittel gewinnen dadurch wieder in der breiten Gesellschaft an Bedeutung und erlangen eine höhere Bekanntheit. Mit Inkrafttreten des Gesetzes ist damit zu rechnen, dass diese Zahlen wieder steigen werden – wenn auch nicht schlagartig, sondern schrittweise. Für Bad Kissingen bietet diese Entscheidung die Chance, die ortstypischen Heilmittel stärker in den Fokus zu stellen. In diesem Bereich sind wir bereits gut aufgestellt, da Heilwasser auch nach Wegfall der Badekur als Kassenleistung eine wichtige Rolle spielte und bis heute spielt. Beispielsweise hat die Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH mit dem Heilwasserausschank und neuen Formaten wie dem HeilwasserTasting dem Trend der letzten Jahre zu den natürlichen Heilmitteln entsprechende Angebote zur Verfügung gestellt. Aber auch die Leistungsträger vor Ort können entsprechende Angebote vorhalten und ihre Bereiche im Hinblick auf diese Entscheidung mittel- und langfristig wieder ausbauen, wenn sich dieser Geschäftszweig für sie als lukrativ erweist“, sagt Sylvie Thormann, Kurdirektorin und Geschäftsführerin der Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH.

Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel stimmt zu: „Der Passus im Entwurf ist die richtige Antwort auf eine alternde Gesellschaft. Welche wirtschaftlichen Chancen sich ergeben, kann erst geprüft werden, wenn der Beschluss im Bundestag gefasst wurde. Sollte er so verabschiedet werden, wüchse daraus sicherlich ein enormes wirtschaftliches Potenzial für Bad Kissingen. Als Oberbürgermeister werde ich dann mit den hiesigen Akteuren sprechen, um vor allem herauszufinden, wie groß die Lücke zwischen den bestehenden Ressourcen und den neuen Möglichkeiten ist. Persönlich glaube ich, dass gerade ein Fenster für Bad Kissingen aufgeht. Wir müssen herausfinden, wie groß der Spalt ist.“

Die Aufgaben der Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH werden Vernetzung, Kommunikation und Vermittlung sein: „Unsere Aufgabe wird es sein, die Leistungsträger bei ihrer Vernetzung zu unterstützen und die Thematik in unseren Medien und über unsere Kanäle zu kommunizieren. Dazu zählt unter anderem sowohl potenzielle Gäste als auch Gäste vor Ort über vorhandene Angebote der ortsansässigen Leistungsträger und Partner zu informieren und Interessierte an diese zu vermitteln“, so Kurdirektorin Sylvie Thormann.

Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel betont: „Eines aber ist klar: Die Badekuren aus den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts werden nicht die ambulanten Vorsorgeleistungen der 20er Jahre des 21. Jahrhunderts sein. Wir müssen mit Fachwissen und Fachkräften auf Topniveau, attraktiven Übernachtungsmöglichkeiten sowie digitaler Nachsorge und Vernetzung ein altes Standbein der Stadt Bad Kissingen wieder festigen.“