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faqs zur Bewerbung um die Ausrichtung einer Landesgartenschau

Bad Kissingen liebäugelt mit der Landesgartenschau. Doch was genau steckt hinter dem ehrgeizigen Projekt?

WAS ist eine Landesgartenschau?
Die Bayerischen Landesgartenschauen leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung städtebaulicher, umwelt- und klimapolitischer Ziele. Landesgartenschauen sind auf den ersten Blick gärtnerische Ausstellungen, auf den 2. Blick sind sie aber vor allen Dingen strategische städtebauliche Plattformen, auf denen eine Stadt eine perspektivische Weiterentwicklung in Angriff nehmen kann. Landesgartenschauen finden in Bayern seit 1980 statt; seit 1994 im jährlichen Rhythmus. WARUM ist eine Landesgartenschau für Bad Kissingen attraktiv?
Mit einer Landesgartenschau können strategische städtebauliche Ziele verwirklicht werden. Die ausreichende Kommune erhält finanzielle Förderung durch den Freistaat Bayern für einen Großteil der Investitionen. Daneben können noch zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch die EU, aufgetan werden. Deshalb ist eine Landesgartenschau ein strategischer Hebel, um langfristige Ziele zu erreichen.

Bedeutende historische Kurstädte wie die Stadt Bad Kissingen weisen eine besondere Symbiose von bewusster Landschaftsgestaltung und Architektur auf. Zudem spielt die Kurlandschaft eine wichtige Rolle als therapeutischer Baustein in der Kurortmedizin. In den letzten Jahrzehnten sind diese Werte in den Hintergrund getreten. Die Durchführung einer Landesgartenschau in Bad Kissingen bietet die Möglichkeit an die Tradition anzuschließen. Diese besonderen Werte können sowohl für Bürger wie auch Gäste wieder stärker in den Fokus gerückt werden.

Besonders hochwertige und gut gepflegte Bereiche stehen einzelnen Brachen im Stadtgebiet gegenüber. Der Süden ist industriell-gewerblich geprägt. Er fällt hier stark hinter Kurviertel und Altstadt zurück. Eine zentrale Aufgabe ist, diesen Anschluss an die repräsentative Kurstadt zu schaffen.

Die Brachen können verknüpft, Flächen entsiegelt und revitalisiert werden. Dadurch können sich die Artenvielfalt entwickeln und städtebaulichen Fehlentwicklungen geheilt werden. Was sind die Ziele einer Landesgartenschau in Bad Kissingen?

  • Revitalisierung der bestehenden teils brachliegenden Stadtstruktur im Süden Bad Kissingens sowie Revitalisierung und Umnutzung des Bereichs um das ehemalige Hallenbad mit einem angrenzenden, untergenutzten Privatgrundstück, welches bis 2004 durch die BayWa verwendet wurde.
  • Konversion der Flächen der historischen und industriell geprägten Infrastruktur im Süden und auf dem Hallenbad/BayWa Areal (im Süden: ehemalige Gärtnerei, Areal ehemaliger Schlachthof, E-Werk) und Rückgewinnung der Flächen als öffentliche Grünanlagen und attraktive Aufenthaltsorte für die Bürgerinnen, Bürger und Gäste
  • Abschwächung des bestehenden städtebaulichen Missstandes der städtebaulichen Trennungslinien z.B. durch Überbrückungen, Anlegen von Grünstreifen, Attraktivitätssteigerung für die Nutzung anderer Verkehrsteilnehmer im Süden der Stadt (Jüdischer Friedhof bis Lindesmühlpromenade)
  • Überwindung von „Barrieren“: Campingplatz, Bahnlinie und B286, Ost- und Nordring
  • Deutliche Aufwertung der Verbindung Schlachthof – Bismarckstraße über das E-Werk
  • Nutzung des Ballinghains als öffentliche attraktive Parkanlage z.B. mit Anknüpfung an dessen historische Funktion als Bürgerpark und/oder Gartenbauanstalt
  • Schaffung attraktiver, grüner Verbindungsbänder zwischen den südlichen, durch kurstädtische Infrastruktur geprägten Flächen mit denjenigen des Kurviertels und der Altstadt (über ehem. Wanderweg am Fluss wie auch innerstädtisch über Prinzregenten- und/oder Kurhausstraße) für Fußgänger und Radfahrer sowie für andere neue lärm- und emissionsfreie Mobilitätsformen
  • Anbindung und Revitalisierung von kurstädtischen Einrichtungen mit deren Umgriffen im Norden: Untere Saline, ehem. Turniergebäude und das zukünftige Naturerlebniszentrum Klaushof

WANN soll die Landesgartenschau in Bad Kissingen stattfinden?
Die Termine für die Landesgartenschauen in Bayern sind bis zum Jahr 2026 vergeben. Kommunen können sich nun für die bayerischen Landesgartenschauen in den Jahren 2028 bis 2032 bewerben. Bad Kissingen möchte die Landesgartenschau ab 2030 durchführen. Hierzu muss bis zum 30.06.2021 Interesse bekundet werden. Abgabeschluss für die offizielle Bewerbung ist dann der 08.04.2022.

Der eigentliche Veranstaltungszeitraum liegt zwischen Ende April und Anfang Oktober eines Jahres. Die Dauer kann flexibel zwischen mindestens zwölf und maximal 24 Wochen festgelegt werden.WO in Bad Kissingen soll die Landesgartenschau stattfinden?
Vorgesehen ist das Gelände im Süden der Stadt im Bereich der ehemaligen Stadtgärtnerei sowie dem Schlachthof, der Lindesmühle und dem Dr.-Hans-Weiß-Sportpark. Im Zentrum sind der Bereich um das Hallenbad anvisiert sowie ein untergenutztes Privatgrundstück, welches bis 2004 durch die BayWa genutzt wurde, das einstige Café Neptun an der Salinenpromenade, das Turniergebäude mit Zuschauertribüne in der Au, die Untere und die Obere Saline durch das Kaskadental zum Klaushof. Auch der Park am Ballinghain, der vom Kissinger Bahnhof bis nach Reiterswiesen reicht, soll eingebunden werden.

Vor allem in Vergessenheit geratene Bereiche oder marode Gebäude würden von der Landesgartenschau profitieren, da durch die Aufwertung ringsherum leichter Investoren und Betreiber gefunden werden könnten. Oberbürgermeister Dr. Vogel spricht hier von "Satellitenkonzepten" für Bauwerke.WIEVIEL kostet eine Landesgartenschau?
Die Investitionen in Bad Kissingen liegen geschätzt bei 10 Millionen Euro. Diese Summe wird der momentanen Kalkulation zugrunde gelegt. Mindestens 60 % übernimmt der Freistaat Bayern. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden zusätzliche Fördermaßnahmen durch weitere Geldgeber, zum Beispiel die EU, getragen. In den meisten Fällen in den vergangenen Jahren erfolgte eine Förderung der Landesgartenschauen mit bis zu 90 % der Investitionskosten. WIE ist der aktuelle Stand der Kissinger Landesgartenschau?
Bislang wurde ein erstes Konzept sowie ein 15-minütiger Imagefilm erstellt. In einem Beratungsgespräch zwischen Oberbürgermeister Dr. Vogel, dem Geschäftsführer der Bayerischen Landesgartenschau GmbH sowie einer Landschaftsarchitektin wurden die oben vorgestellten Stadtgebiete besichtigt und als grundsätzlich geeignet erachtet.

Der Stadtrat hat am 19. Mai einer Bewerbung zugestimmt.

Bis zum 30. Juni 2021 ist als Phase 1 der Bewerbung eine Interessensbekundung zur Ausrichtung einer Landesgartenschau für die Jahre 2028 bis 2032 vorzulegen. Dabei sind neben Luftbild, Übersichtsplan und Besitzverteilungsplan Aussagen zu den beabsichtigten Zielen, Überlegungen zur Finanzierung sowie Wünsche und Ideen der Bürgerinnen und Bürger einzureichen.

Im Anschluss an die Feststellung der Eignung der Kommune für eine Landesgartenschau ist in der Phase 2 des Bewerbungsprozesses bis zum 8. April 2022 eine detaillierte Planung erforderlich. Hier ist ein konkretes Bewerbungskonzept mit Erläuterungsbericht unter Beauftragung eines Landschaftsarchitekten zu erarbeiten. Die Bevölkerung ist in diesen Planungsprozess intensiv einzubinden. Teil der Prüfung der vorzulegenden Bewerbung durch die Bayerische Landesgartenschau GmbH ist auch eine Bereisung der Bewerbungsstädte durch die Mitglieder des Fachbeirates der Bayerischen Landesgartenschau GmbH.

Nach derzeitiger Einschätzung der Verwaltung werden hierfür Finanzmittel in Höhe von ca. 90.000 €, verteilt auf die Haushaltsjahre 2021 und 2022 benötigt.

Einzelne Schwerpunkte können sich im Laufe des Prozesses noch verschieben.

Sollte Bad Kissingen den Zuschlag letztlich nicht erhalten, profitiert die Stadt dennoch von dem erarbeiteten Konzept. Denn in Bereichen wie der alten Stadtgärtnerei oder dem Ballinghain besteht ohnehin Handlungsbedarf.