Tag es offenen Denkmals: Zwei Türme und ihre Geschichte
Zum Tag des offenen Denkmals öffnen denkmalgeschützte Bauten einmal jährlich deutschlandweit ihre Pforten. Initiiert ist der Aktionstag von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Die Stadt Bad Kissingen nahm am 14. September mit zwei Denkmälern teil: dem Bismarckturm und dem Wittelsbacher Turm.
Der Tag des offenen Denkmals begann regnerisch. Dennoch machten sich zahlreiche Besucher auf den Weg zu den beiden Denkmalstätten Bismarckturm und Wittelsbacher Turm, die dieses Jahr im Fokus des Bad Kissinger Denkmaltags standen. Die freiberufliche Historikerin Victoria May stellte die wechselhafte Geschichte der Türme vor
Zur Geschichte des Bismarckturms
Der Bau des Bismarckturms wurde 1914 begonnen. Die Idee für das Projekt kam vom eigens für diesen Zweck gegründeten Bismarckturm-Verein. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verzögerte den Bau – erst Ende der 1920er Jahre wurde der Turm weitgehend fertiggestellt, der Innenausbau folgte viel später. Seit den 1980er Jahren ist der Bismarckturm für die Öffentlichkeit zugänglich und bietet vom Sinnberg aus einen fantastischen Ausblick über die Kurstadt.
Otto von Bismarck, der erste Reichskanzler des deutschen Reichs, weilte insgesamt 15-mal in Bad Kissingen. Bei seinem ersten Besuch 1874 wurde ein Attentat auf ihn verübt – jedoch hinderte ihn dies nicht, viele weitere Male die Kurstadt zu besuchen, ab dem zweiten Aufenthalt in der Oberen Saline. Hier entstand 1877 das sogenannte „Kissinger Diktat“, in dem Bismarck die Grundzüge seiner Außenpolitik für eine Friedenssicherung in Europa für das ausgehende 19. Jahrhundert formulierte. Die Begeisterung für den bereits 1898 verstorbenen Reichskanzler in Bad Kissingen kam also nicht von ungefähr: Neben dem Bismarckturm erinnert heute auch ein Denkmal an der Salinenpromenade sowie die Bismarckstraße an ihn. In der original erhaltenen Bismarck-Wohnung im Museum Obere Saline wurde Geschichte geschrieben – heute können Besucher die Räumlichkeiten bewundern.
Zur Geschichte des Wittelsbacher Turms
Bereits ein knappes Jahrzehnt vor dem Baubeginn des Bismarckturms wurde der Wittelsbacher Turm errichtet, initiiert vom Wittelsbacher-Verein. Der Bau dauerte von 1906 bis 1907. Der Turmbau des “Wittelsbacher Jubiläumsturms” zelebrierte das Jubiläum 100 Jahre Königreich Bayern und sollte die Wittelsbacher-Dynastie ehren, die in Bad Kissingen die Kur und zahlreiche Bauprojekte gefördert hat. Bereits König Ludwig I. ließ vom Architekten Friedrich von Gärtner den Arkadenbau errichten, König Ludwig II. gab Kissingen den Namenszusatz „Bad“. Kein Wunder also, dass der Wittelsbacher-Verein die bayerischen Regenten mit einem Monument ehren wollte.
Architektonisch ist der Bau eng mit Bad Kissinger Persönlichkeiten verknüpft: Die Pläne für den Turm stammen vom Architekten Carl Krampf, der mit seinen Projekten Bad Kissingen maßgeblich prägte, beispielsweise mit dem Bau der Neuen Synagoge in der Maxstraße oder der noch heute erhaltenen Russischen Kirche in der Salinenstraße. Vervollständigt wurde der Bau des Wittelsbacher Jubiläumsturms durch eine Löwenskulptur auf der Turmspitze, angefertigt vom Kissinger Bildhauer Valentin Weidner, einem der renommiertesten Künstler der Region.
Auch nach dem Turmbau blieben die Wittelsbacher Bad Kissingen gewogen: Es entstanden in den Folgejahren der Regentenbau und die Wandelhalle. Luitpold erlebte die Fertigstellung des Regentenbaus nicht mehr: Sein Sohn König Ludwig III. kam allerdings für die feierliche Eröffnung nach Bad Kissingen.
Rückblick auf den Tag des offenen Denkmals
Umrahmt wurde das kulturelle Programm am Wittelsbacher Turm von einem Weinfest an der benachbarten Gaststätte, wo seit diesem Jahr ein neues Pächterteam Ausflugsgäste bewirtet.
Im Gewölbekeller des Museums Obere Saline fand außerdem unter der Ägide der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ein Vortrag zu den Türmen von Bad Kissingen statt. Dr. Raymund Müller stellte die Stiftung vor und erläuterte deren Aufgaben und Tätigkeit. Denkmale zu erhalten sei eine wichtige Aufgabe, die aber ein Betriebskonzept und einen finanziell, handwerklich oder zeitlich potenten Betreiber voraussetze, damit Sanierung und gegebenenfalls eine Umnutzung erfolgreich sein könne. Nur ein belebtes Denkmal habe eine Zukunft, so Dr. Müller.
Prof. Reinhard Haus, der Vorsitzende des Ortskuratoriums Bad Kissingen, stellte reich bebildert Bismarckturm, Wittelsbacher Turm und den Ludwigsturm sowie das Feuertürmle in der Innenstadt vor. In seinem Vortrag legte er einen Fokus darauf, dass Geschichte und Anspruch sich oftmals in der Architektur widerspiegeln. Auch wies er auf den Kult um den Reichskanzler Bismarck und die vielen Bismarcktürme hin und zeigte deren architektonische Gemeinsamkeiten auf. Über 40 Gäste verfolgten mit Interesse diesen informativen Vortrag.
BU:
Der Wittelsbacher Turm und die 1924 geplante Kriegergedächtnisstätte. Stadtarchiv Bad Kissingen, Sammlung Josef Bötsch
Der Bismarckturm im Aufbau, um 1926. Stadtarchiv Bad Kissingen, Sammlung Josef Bötsch