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SELMA LÖWENTHAL (1889 - 1943?), Bankier, Ludwigstraße 11

Selma Löwenthal wurde am 22. November 1889 in Bad Kissingen geboren. Sie war die älteste Tochter des Bankiers Abraham Simon Löwenthal und seiner Frau Gitta, geborene Haas. Die Ursprünge der angesehenen Familie lassen sich in Bad Kissingen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. Selma lebte mit ihrer Familie in der Ludwigstraße 4 (heute Nr. 11) über der Bank des Vaters, die sich im Erdgeschoss befand. Zusammen mit zwei jüngeren Schwestern wuchs Selma auf. Ihre Schwester Martha wurde 1891 geboren, zwei Jahre später (1893) Schwester Ruth. Eine dritte Schwester, Frieda, verstarb 1898 wenige Wochen nach der Geburt.
 

Die Familie Löwenthal führte ein aktives Leben in der jüdischen Gemeinde und Familienbilder aus Selmas Jugendzeit erwecken den Eindruck von Wohlstand und Zufriedenheit. Als die Schwestern erwachsen waren, heiratete Martha Dagobert Spier und zog mit ihm in die Nähe von Köln. Sie bekamen zwei Söhne Kurt und Rolf. Die jüngere Schwester Ruth heiratete Martin Schwab und lebte von da an in Kitzingen. Sie war die Einzige, die durch Emigration in die USA überlebte. Selma Löwenthal, die von Kindheit an eine Gehbehinderung hatte, blieb ledig und lebte mit ihren Eltern weiterhin in Bad Kissingen.

Es ist anzunehmen, dass sie in der Bank ihres Vaters arbeitete. Denn als dieser 1920 im Alter von nur 59 Jahren starb, übernahm sie die Bankgeschäfte. Bereits 1927 verstarb auch Selmas Mutter mit erst 62 Jahren. Wie lange Selma die Bank, in der auch Tickets für das Saale-Dampferle verkauft wurden, noch geführt hat, lässt sich nicht mehr feststellen. Sicher ist, dass die Verhältnisse für sie, wie für alle jüdischen Kissinger Bürger, mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten immer schwieriger wurden. Dazu kamen gravierende gesundheitliche Probleme.

Im April 1938 wurde Selma, die damals schon bettlägerig war, in das Israelitische Kranken- und Altenheim in der Konradstraße in Würzburg verlegt, wo sie mit zwei älteren jüdischen Frauen ein Zimmer bewohnte. Ein Lichtblick in dieser trostlosen Situation mag gewesen sein, dass ab März 1939 der Bad Kissinger Arzt Sally Mayer das Haus leitete und sie betreute. Mit ihm, seiner Frau Irma und anderen Kissinger Juden wurde sie am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Dort mag sie noch ihre Schwester Martha und ihren Schwager getroffen haben, die kurz vor ihr mit einem Transport aus Köln ebenfalls nach Theresienstadt verbracht worden waren. Am 23. Januar 1943 wurde die 53-jährige Selma Löwenthal auf den Transport ins Vernichtungslager Ausschwitz geschickt. Dort fand sie den Tod.


Stolperstein-Patin: Ingeborg Thiel Armino
Text: Barbara Thiele